David gegen Goliath – wie dieser Vergleich zustande kam
Es war eigentlich kein geplanter Vergleich. Ich bin mit meinem eigenen Porsche 911 992.1 Carrera T von daheim aufgebrochen, auf der A9 Richtung Bayreuth, wo mich beim Porsche Zentrum der neue 992.2 Turbo S erwartete. Gestern noch der GT3 RS, heute zuerst der Carrera T auf der Autobahn, und dann einsteigen in 711 PS, T-Hybrid und das, was Porsche selbst den stärksten Serien-Elfer aller Zeiten nennt. Und auf der Rückfahrt, wieder im Carrera T, ist mir etwas aufgegangen, das mich seitdem nicht loslässt.
Eigentlich ist dieser Vergleich vollkommen unfair. Der 992.2 Turbo S ist das absolute Topmodell der 911-Baureihe, ein technisches Meisterwerk mit doppeltem T-Hybrid, aktiver Aerodynamik, Nürburgring-Nordschleife in 7:03 Minuten und einem Preis, der die Basis-Elfer-Welt deutlich hinter sich lässt. Der 992.1 Carrera T ist die puristische Einstiegsvariante – bewusst reduziert, bewusst leichter, bewusst lauter. Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist dieser Vergleich so spannend wie kaum einer, den ich bisher gemacht habe.
"Ich bin aus dem Turbo S ausgestiegen und in meinen Carrera T eingestiegen. Und dann habe ich gedacht: Der Carrera T ist eigentlich viel geiler."
Der Porsche 911 Carrera T – der beste Porsche für das Geld?
Mein 992.1 Carrera T ist mein erster Porsche. Das Fahrzeug, mit dem für mich alles angefangen hat. Und obwohl seitdem der GT3 RS dazugekommen ist und ich den Taycan 4 Cross Turismo fahre – der Carrera T hat einen Platz, den kein anderes Auto einfach so einnehmen kann. Das T steht für Touring. Was sich nach Komfort anhört, ist in Wirklichkeit das Gegenteil von dem, was viele erwarten: weniger Dämmung als beim normalen Carrera, kein Rücksitz, ein direkterer, kommunikativerer Charakter. Man hört den Radkasten. Man spürt die Straße. Man ist nicht von der Welt da draußen abgeschottet, sondern mittendrin.
Was den Carrera T so besonders macht, hat nichts mit Zahlen zu tun. Es hat damit zu tun, dass dieses Auto schon bei überschaubaren Geschwindigkeiten ein Fahrgefühl vermittelt, das andere Porsche erst bei deutlich höherem Tempo liefern. Man fährt eine Kurve auf einer Landstraße, geht leicht ums Gas, hört den Boxer hinter sich – und das Lächeln kommt von selbst. Kein Turbo-Schub, der einen in den Sitz drückt. Kein elektronisches Sicherheitsnetz, das einen daran erinnert, dass man eigentlich zu viel Auto unterm Hintern hat. Einfach Porsche. Pur.
Der 992 Carrera T ist zudem einer der letzten aktuellen Neunelfer, den man noch mit manueller 7-Gang-Schaltung bestellen kann – ein Kaufargument, das für viele Porsche-Liebhaber allein schon entscheidend ist. Ich habe mich bewusst für das PDK entschieden. Nicht weil die Handschaltung schlechter wäre – sie ist emotionaler, purerer – sondern weil ich bei sportlicher Fahrweise beide Hände am Lenkrad haben möchte. Das ist eine Glaubensfrage. Und beides ist richtig.
Der neue Porsche 911 992.2 Turbo S – wenn Porsche alles auf einmal will
Der 992.2 Turbo S ist kein Auto, das man beschreiben muss. Er beschreibt sich selbst. Schon beim ersten Blick auf den Diffusor, das Carbon, die Turbonit-Akzente, die neuen Felgen – man weiß sofort, was man hier vor sich hat. Das ist die Speerspitze. Das ist der Elfer, der nichts dem Zufall überlässt.
Das Herzstück ist ein neu entwickelter 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxer mit der innovativen T-Hybrid-Technologie. Das T-Hybrid-System arbeitet mit einem 400-Volt-Hochvoltsystem und einer kompakten 1,9-kWh-Batterie. Was den Turbo S vom 911 Carrera GTS unterscheidet, der ebenfalls T-Hybrid nutzt: Während der GTS mit einem einzigen elektrischen Abgasturbolader (eTurbo) arbeitet, setzt der Turbo S auf gleich zwei eTurbos. Das Ergebnis ist eine Systemleistung von 523 kW – also 711 PS – bei einem Drehmoment von 800 Newtonmeter von 2.300 bis 6.000 U/min. Die volle Leistung liegt bei 6.500 bis 7.000 Kurbelwellenumdrehungen an. Von null auf 100 km/h in 2,5 Sekunden im Coupé. Höchstgeschwindigkeit: 322 km/h.
Was ich beim Fahren sofort gemerkt habe: Der Turbo S erinnert in seinem Charakter an meinen Taycan. Die Leistung ist einfach da. Man denkt noch nicht mal daran zu überholen, und es ist schon passiert. Kein Aufbau, kein Zögern. Das ist fundamental anders als mein Carrera T, der einen Moment und die richtige Drehzahl braucht. Beim GT3 RS muss man sogar aktiv planen – richtiger Gang, runterschalten, Drehzahl aufbauen – bevor man überhaupt ans Überholen denkt. Beim Turbo S überlegt man gar nichts. Man gibt einfach Gas.
Das Video: Mit dem Carrera T zu Bayreuth, dann 711 PS – und zurück
Das komplette Video: die Fahrt im Carrera T nach Bayreuth, der erste Blick auf den Turbo S, meine Eindrücke hinter dem Steuer – und das überraschende Fazit auf der Rückfahrt im Carrera T.
Auch gefahren: Der 992.2 Turbo S als Cabriolet
Den Turbo S bin ich nicht nur als Coupé gefahren – ich hatte auch die Möglichkeit, das Cabriolet zu erleben. Das Cabriolet ist mit 2,6 Sekunden von null auf 100 einen Tick langsamer als das Coupé, aber der Unterschied ist auf der Straße absolut nicht spürbar. Was sich verändert: Die Emotionalität steigt nochmal. Oben ohne, Titanabgasanlage, 711 PS – das ist eine eigene Kategorie. Alle Eindrücke dazu im Video:
Der direkte Vergleich – Zahlen und Fakten
| Eigenschaft | 992.1 Carrera T | 992.2 Turbo S |
|---|---|---|
| Motor | 3,0-Liter Biturbo-Boxer | 3,6-Liter Biturbo-Boxer + T-Hybrid |
| Leistung | 283 kW / 385 PS | 523 kW / 711 PS |
| Drehmoment | 450 Nm | 800 Nm (2.300–6.000 U/min) |
| 0–100 km/h | 4,5 Sek. (PDK) | 2,5 Sek. (Coupé) |
| Höchstgeschwindigkeit | 293 km/h | 322 km/h |
| Antrieb | Hinterrad (RWD) | Allrad (PTM) |
| Getriebe | 7-Gang Handschaltung oder 8-Gang PDK | 8-Gang PDK |
| Dämmung | Reduziert (Touring-Philosophie) | Vollständig, Langstreckenkomfort |
| Rücksitz | Nein (serienmäßig) | Optional |
| Charakter | Puristisch, kommunikativ, emotional | Alleskönner, souverän, blitzsauber |
| Zielgruppe | Fahrerpurist, Einsteiger in die 911-Welt | Wer alles will und nichts vermissen möchte |
| Nürburgring-Nordschleife | – | 7:03,92 Minuten |
Was der Vergleich wirklich zeigt – Carrera T vs. Turbo S im Alltag
Ich fahre drei Porsche 911-Modelle: den Carrera T, den GT3 RS und kenne jetzt den Turbo S aus eigener Erfahrung. Und dieser Vergleich macht etwas sichtbar, das ich für das Spannendste an der gesamten 911-Baureihe halte: Drei Autos, gleiche DNA, komplett unterschiedliche Persönlichkeiten.
Der Carrera T ist der Elfer, der einen bei relativ normalen Geschwindigkeiten schon abholt. Man muss nicht 200 fahren, um zu verstehen, warum Menschen Porsche lieben. Eine kurvige Landstraße, Sport Plus einschalten, und dieser Boxer hinten macht Geräusche, die einen sofort begreifen lassen, worum es geht. Dazu diese direkte Lenkung, das Gefühl für die Straße, das Rückmelden jeder Unebenheit. Der Carrera T ist der Porsche, der einem beibringt, wie man fahren muss – und der einem genau dafür belohnt.
Der Turbo S ist das genaue Gegenteil – und gleichzeitig kein schlechteres Auto. Er ist gediegener, gedämpfter, perfekter für die Langstrecke. Von München nach Hamburg? Turbo S. Durch die Nacht? Turbo S. Regen, Autobahn, Vollgas aus jeder Situation heraus? Immer der Turbo S. Dieses Auto hat keine Schwäche. Es gibt keine Situation, der es nicht gewachsen wäre. Außer vielleicht Offroad – aber dafür gibt es den 911 Dakar, ein eigenes Kapitel für sich.
Der GT3 RS – den ich ebenfalls fahre – ist noch einmal eine andere Welt: Rennwagen mit Straßenzulassung, Motorsporttechnik durch und durch, kompromisslos in jeder Richtung. Wer mit ihm auf der Landstraße Gas gibt, merkt, dass man hier wirklich planen muss. Richtiger Gang, Drehzahl aufgebaut, und dann explodiert der 4,0-Liter-Sauger bis 9.000 U/min in einer Art und Weise, die kein Turbo je replizieren kann. Aber das ist ein anderes Thema.
Carrera T – das spricht dafür
- Echte Porsche-DNA bei jedem Tempo spürbar
- Weniger Dämmung = mehr Kommunikation
- Optional mit Handschaltung bestellbar
- Deutlich günstigerer Einstieg in die 911-Welt
- Leichter, purristischer, direkter
- Schon bei normalen Geschwindigkeiten emotionaler
- Wahrscheinlich der beste Preis-Erlebnis-Elfer
Turbo S – das spricht dafür
- 711 PS – der stärkste Serien-Elfer aller Zeiten
- 0–100 in 2,5 Sekunden, 322 km/h Spitze
- Allrad, aktive Aerodynamik, T-Hybrid
- Perfekt für Langstrecke und jede Wetterlage
- Nürburgring-Nordschleife: 7:03,92 Minuten
- Mehr Komfort, mehr Dämmung, mehr Sicherheit
- In jeder Lebenslage ohne Einschränkung
Die 911-Baureihe in ihrer ganzen Breite – ein Elfer für jeden
Was dieser Vergleich am Ende wirklich zeigt, ist nicht, welches Auto besser ist. Es ist die Frage gar nicht. Was er zeigt, ist wie bemerkenswert wandelbar der Porsche 911 als Baureihe ist. Vom Carrera T als puristischem Basis-Elfer über den Turbo S als eierlegende Wollmilchsau bis zum GT3 RS als kompromisslosem Motorsport-Gerät für die Straße – das sind drei Fahrzeuge, die den gleichen Namen tragen, aber in drei vollkommen verschiedene Richtungen zeigen. Und Porsche baut sie alle gleichermaßen überzeugend.
Wer das erste Mal einen 911 kauft, dem empfehle ich ernsthaft: fahr den Carrera T. Nicht weil er günstiger ist – sondern weil er einem zeigt, was dieser Motor, dieses Fahrwerk, diese Philosophie wirklich bedeutet, bevor Turbo, Hybrid und Allrad alles überlagern. Der Carrera T lehrt einen, den Neunelfer zu verstehen. Und dann kann man entscheiden, wohin die Reise geht.
Mein persönliches Fazit
Der Turbo S ist das bessere Auto. In jeder messbaren Kategorie. Und trotzdem ist der Carrera T der faszinierendere Porsche. Weil er einem etwas gibt, das keine PS-Zahl der Welt ersetzen kann: das Gefühl, wirklich zu fahren.
Häufige Fragen – Porsche 992 Turbo S vs. Carrera T
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